Das Wunder der Potenzierung oder „Häh?“ Teil 1

Ich gebe es zu, ich diskutiere sehr viel mit Homöopathen, auch wenn es meistens zwecklos ist. Wie sagte bereits der gute Carl Sagan:

You can’t convince a believer of anything; for their belief is not based on evidence, it’s based on a deep-seated need to believe.

Besser kann man es eigentlich nicht ausdrücken. Ist der Wunsch der Vater des Gedanken erübrigt sich eigentlich jede sachliche Diskussion. Man merkt dieses immer wieder an zahlreichen Beispielen, die Homöopathen entweder noch niemals wirklich durchdacht haben, oder aber einfach an diesen Infos nicht interessiert sind.

Eines dieser Beispiele passiert mir ständig, immer mit dem gleichen Ergebnis. Der Homöopath verschwindet beleidigt und ich habe wieder virtuelles Geld der Pharmamafia verdient. So langsam glaube ich, die ganzen „20 Million Euros are waiting for you, my friend“ Emails sind gar nicht gefälscht.

Die Rede ist vom Wunder der Potenzierung (an dieser Stelle sollte ein Engelchor einsetzen, aber das klappt hier leider nicht). Ja, einer der Grundpfeiler der Homöopathie, und keiner will wirklich darüber reden. Warum eigentlich nicht?

Ich möchte das einmal an einem konkreten Beispiel vertiefen. In einer Diskussion vor einigen Tagen kam das Gespräch auf einen Fall, bei dem eine Frau über zwei Wochen Arsenicum D6 einnahm und, man glaubt es kaum, verstarb. Bedauerlich, aber nicht verwunderlich. Natürlich rufen Homöopathen empört, dass unkontrollierte Homöopathieeinnahme gefährlich ist. Schon mal kurz zur Info: Das war kein Homöopathikum. Doch dazu mehr ein anderes Mal.

Eine Homöopathin, die an der Diskussion teilnahm erklärte, Kritiker sollten einmal einen Selbsttest mit – Achtung, jetzt kommt’s – Arsenicum Album C1000 machen, aber bitte Buch führen, damit die Nachwelt etwas davon hat, denn man würde drei Monate kaum überleben. (übersehen wir hier einfach einmal den ersten eklatanten Widerspruch zu homöopathischen Aussagen in Verbindung mit erhoffter psychischer negativer Manipulation)

Natürlich habe ich zugestimmt, piece of cake, allerdings nur unter der Bedingung, dass sie mir erklären möge, wie es möglich ist, dieses Arsen C1000 überhaupt herzustellen. Und dabei meine ich nicht die mathematische Wassermenge etc., nein, sondern wie es nach homöopathischen Vorschriften unter der Berücksichtigung gesicherter Erkenntnisse möglich ist. Denn hier beginnt das Problem der Potenzierung, dass ich gerne als

Das Wunder der Potenzierung! (Engelchor)

bezeichne. Denn viele scheinen die Problematik gar nicht zu erkennen.
Also stellen wir dieses Mittel einmal homöopathisch her.

Bei einer C Potenzierung nimmt man einen Teil Ursubstanz und 99 Teile Lösungsmittel. Die Ursubstanz ist Arsen, das Lösungsmittel, wie auf den Seiten der Hersteller zu lesen, normales Wasser. Kein Spezialwasser, nein, normales Wasser. Und schon haben wir den Salat. Denn H2O ist nicht einfach nur H2O, da sind noch jede Menge anderer Stoffe drin. Um nur einige zu nennen, Calcium, Magnesium, Aluminium, Blei, Chlor, Nitrate etc etc. (Liste im Anhang)
Nun wäre es wohl recht schlecht für die Gesundheit, würde man sich ständig diverse Mengen dieser zum Teil giftigen Stoffe einverleiben. Darum gibt es die Trinkwasserverordnung, die genau bestimmt, wieviel Rückstände der jeweiligen Stoffe im Wasser noch vorhanden sein dürfen, damit es für den Konsumenten vollkommen ungefährlich ist. Bei Arsen entspricht dieser Grenzwert einer D8 Potenzierung. Natürlich filtern die Lieferanten noch ein wenig mehr, man will ja nicht ständig am Grenzwert kratzen, jedoch kommt man dabei auch nicht über D9 hinaus. Mit jedem Schluck Wasser nehmen wir also eine C4/D8 Potenz Arsen zu uns. Das erste Problem sollte bereits hier deutlich zu erkennen sein. Ab einer C4 Potenzierung Arsen füllt man bei jedem neuen Schritt 99 Teile Arsen C4 hinzu und potenziert dieses jedes Mal mit! Und jedes Mal wieder frisch aufs neue! Es ist also schon rein nach der Logik gar nicht möglich, über eine C4 Potenzierung hinauszukommen! Wie also soll man bitte eine C1000 herstellen, wenn bis zum 1000sten Schritt jedes Mal frisches Arsen C4 dazu geschüttet wird???

Das ist aber nur die Hälfte des Problems. Denn man füllt jedes Mal auch diverse andere Spurenelemente im Lösungsmittel dazu und würde diese zwangsläufig nach homöopathischer Ansicht mit potenzieren (siehe Wasserinhaltsstoffe)! Es ist also gar nicht möglich, ein einfaches Homöopathikum herzustellen, das Resultat ist IMMER ein Komplexmittel. Schauen Sie nach, überzeugen Sie sich selbst.

Nur sind Komplexmittel halt keine Homöopathie, sondern Pfui! Jedenfalls nach Ansicht des Begründers, Samuel Hahnemann. Welcher Im Organon Paragraph 273 schreibt:

In keinem Falle von Heilung ist es nöthig und deßhalb allein schon unzulässig, mehr als eine einzige, einfache Arzneisubstanz auf einmal beim Kranken anzuwenden. Es ist nicht einzusehen, wie es nur dem mindesten Zweifel unterworfen sein könne, ob es naturgemäßer und vernünftiger sei, nur einen einzelnen, einfachen wohl gekannten Arzneistoff auf einmal in einer Krankheit zu verordnen, oder ein Gemisch von mehreren, verschiednen. In der einzig wahren und einfachen, der einzig naturgemäßen Heilkunst, in der Homöopathie, ist es durchaus unerlaubt, dem Kranken zwei verschiedne Arzneisubstanzen auf einmal einzugeben.

Hahnemann konnte noch gar nicht wissen, das Einzelmittel physikalisch gar nicht herstellbar sind.

Und genau das ist der Punkt, an dem Homöopathen regelmäßig aussteigen. Diese Erklärung bleiben Sie immer schuldig, sie haben entweder etwas dringendes zu tun oder bescheinigen einem, dass man keine Ahnung hat. Eine Erklärung für einen Mechanismus, welcher erklärt, warum nur bestimmte Inhaltsstoffe potenzierte werden, erwartet man vergeblich.

Wenn jemand ohne zu hinterfragen einen leicht zu widerlegenden Umstand ignoriert und auf die Korrektheit besteht, ist es dann nicht völlig rechtens von einer Sekte zu sprechen?

Und dabei haben die Probleme des Potenzierens gerade einmal begonnen.

http://www.wasseraufbereitungsseiten.de/wasserinhaltsstoffe…

‪#‎wunderderpotenzierung‬

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6 Gedanken zu “Das Wunder der Potenzierung oder „Häh?“ Teil 1

    1. Nicht viel anders. Auch dort sind Spurenelemente drin, die kriegt man auch nicht raus. Es gibt allerdings noch doppelt destilliertes Wasser, nur müsste das in Platinbehältern gelagert werden und kostet eine Kleinigkeit. Selbst bei Alkohol (gibt es eigentlich auch ein Alkoholgedächtnis?) bleibt das Problem.
      Spielt aber keine Rolle, denn die Hersteller benutzen kein destilliertes Wasser, wie auf den Seiten der Hersteller zu lesen ist.

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  1. Einer der wenigen Homöopathen, die diesen „technischen“ Fragen nicht ausgewichen sind, ist Jörg Wichmann (Heilpraktiker, Bergische Homöopathie Schule).

    Wichmann stellt in mehreren Artikel (u.a. in Homoeopathic Links‘ (Bd. 14, 2001, 202-203) dar, dass die Grundlagen der Homöopathie (Ähnlichkeitsgesetz, Potenzierung, Lebenskraft) keine Grundlage in der mechanistischen Wissenschaft haben, und sich wissenschaftlich genauso wenig erklären, wie sich die Ungereimtheiten z.B bei der Potenzierung wegdiskutieren lassen.

    Das Faktische ist uns Kritikern nicht ganz neu, beachtenswert ist deswegen nur die Tatsache, dass ein Homöopath die Faktenlage ohne wenn und aber bestätigt. Wenn man allerdings jetzt erwarten würde, dass sich Wichmann an die homöopathische Gemeinde mit der Aufforderung wenden würde: „Hey, lasst uns mit dem Unsinn aufhören!“, man würde doch enttäuscht.

    Wichmann macht was ganz anderes.

    Er sagt: „Kommt, Jungs, Mädels, lasst uns ehrlich sein, wir sind unwissenschaftlich. Das, was wir da veranstalten, hat mit moderner Wissenschaft nichts zu tun, dafür aber mit Schamanismus, Alchemie und Hermetik. Ihr wisst das so gut wie ich, und es ist einfach blöd, dass wir immer zum Dodel gemacht werden, weil wir dauernd behaupten, wir würden uns mit unserem Verfahren auf wissenschaftlichem Boden bewegen – und uns dann mal wieder jemand kaltlächelnd, und völlig zurecht, vorrechnet, dass unsere Arzneien überhaupt nicht existieren können.“

    Lasst uns deshalb einfach zu unseren Kritikern sagen: „Ja, Homöopathie ist genau die Magie, die Sie immer darin vermutet haben. Das ist für uns ganz in Ordnung, und mehr noch: Wir sind dazu berechtigt!“

    Und wenn dann jemand uns homöopathischen Heilpraktikern vorwirft, wir hätten weder Ahnung von Medizin, noch von Chemie oder Physik, und offenbar auch nicht mehr alle Tassen im Schrank, dann entgegnet ganz einfach, ganz gelassen und ganz selbstbewußt:
    „Das ist wohl richtig. Aber, schau mal, wir können zaubern!

    Ach ja, Wichmann steckt übrigens nicht in irgendeiner Fachklinik und probiert Zauberstäbe aus, sondern gehört u.a. der Ethikkommission der „Stiftung Homöopathie-Zertifikat“ (SHZ) an, die sich als Wächter über „qualifizierte Homöopathie“ versteht…

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    1. Herr Wichmann scheint, was das anbelangt, eine echte Ausnahme zu sein und es ehrt ihn natürlich, dass er dazu steht, dass Homöopathie nichts mi Wissenschaft zu tun hat. Genau aus diesem Grunde hat ja Homöopathie weder etwas in Bildungsstätten wie Schulen oder Universitäten zu suchen und sollte im besten Falle in Hogwards unterrichtet werden, geschweige denn dass es etwas in unserem Gesundheitswesen zu suchen hätte oder sogar von diesem bezahlt wird. Wenn es als das dargestellt wird was es ist, eine Art des magischen Denkens, würden viele Kunden sich einfach umdrehen und den Kopf schütteln (einige würden es allerdings auch weiterhin lobpreisen).

      Doch auch Wichmann scheitert weiterhin an der Tatsache, dass es trotz Zaubereizubilligung keinen Wirksamkeitsnachweis gibt und eine Wirksamkeit nicht beobachtet werden kann, die über den Placeboeffekt hinaus wirkt, daher auch die Magieerklärung keine Erklärung für ein nicht beobachtetes Phänomen ist. Denn nach seiner Erklärung müsste dann jedes Placebo Magie sein und wir wissen ja, warum Placebos wirken. Das is dann allerdings keine Magie, sondern wir sind wieder bei Wissenschaft.

      Ich habe mich mit Wichmann noch nicht beschäftigt, werde dieses aber einmal nachholen, danke für den Tipp.
      Herzliche Grüße

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  2. Gern geschehen.

    Wichmann ist übrigens auch wegen einer anderen homöopathischen Posse eine originelle Nummer:

    1996 veröffentlichte er, zusammen mit der österreichischen Homöopathin Uta Santos König, einen als Gag gedachten Artikel über das Arzneimittelbild von „Eulenmilch“ (Lac Owleum).

    Hintergrund dieser Eulenspiegelei war angeblich die Zahl „neuer“ homöopathischer Arzneien, die allesamt noch ´ne Spur irrer wahren, als das schon bestehende Repertoire. Wichmann hatte zu dieser Zeit wohl noch genügend Distanz, um diesen Irrsinn genauso zu erkennen, wie auch die Unbedarftheit, mit der die Homöopathen-Gemeinde jeden noch so großen Unfug kritiklos goutierte.

    (Die Eulenmilch selbst ist natürlich keine Milch von der Eule, sondern Sekret aus der Bürzeldrüse, über die fast jeder Vogel verfügt. Das zu erwähnen ist zwar unnötig, allerdings wichtig, um zum einen den Irrwitz zu verstehen, der die Materia medica durchzieht, zum anderen aber die naturwissenschaftliche Ahnungslosigkeit der meisten Homöopathen zu entlarven.)

    Jedenfalls, “Lac Owleum” war eine pure Erfindung, ein netter Gag, der entfernt an das Experiment des amerikanischen Physikers Alan Sokal erinnerte, bei dem dieser einen inhaltlich schwerwiegend fehlerhaften, im Grunde völlig sinnlosen Text schrieb, dem jedoch durch die Verwendung eines entsprechenden Jargons eine höchst wissenschaftliche Note verliehen wurde.

    Alan Sokals Text wurde in einer sozialwissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht und kurzfristig später zum Skandal – nachdem Sokal einer anderen Fachzeitschrift seine Parodie “gebeichtet” hatte. Es folgte eine engagierte Debatte über mangelnde intellektuelle Strenge in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Sokal selbst veröffentlichte 1997, zusammen mit Jean Bricmont, ein Buch mit dem Titel „Impostures Intellectuelles“ (Intellektuelle Hochstapeleien).

    Jörg Wichmanns “Lac Owleum”, also das zusammenphantasierte Arzneimittelbild einer niemals existierenden Arznei, findet sich – auch nach der Beichte Wichmanns, eine Parodie verfasst zu haben – dagegen immer noch in einigen homöopathischen Arzneimittellisten – natürlich unter der Kategorie “Arzneien aus Milch”.
    Natürlich.
    Wo auch sonst?

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