Homöopathen in der Familie. Und nun?

Seit Eröffnung der Seite haben mir einige Leser geschrieben, dass Sie auch im näheren Umfeld Homöopathieanhänger haben, seien es Freunde oder enge Familienmitglieder, und mich gefragt, was sie dort tun bzw. wie sie dort argumentativ vorgehen können.

Ich gebe zu, ich wollte diesen Bericht schon länger publizieren, habe aber immer wieder gezögert, da das leider ein wirklich heißes und brandgefährliches Thema ist, darum möchte ich es hier auch mit dem nötigen Ernst betrachten.  
Es ehrt mich natürlich, wenn Menschen mich diesbezüglich um Rat fragen, andererseits macht es mir eine Heidenangst, denn ich bin kein Psychologe und befürchte, mit standardisierten Antworten jede Menge Schaden anzurichten, ähnlich wie es viele Astrologen gerne handhaben, indem sie den Menschen unüberlegte Antworten geben, die deren Leben sehr zum negativen beeinflussen können.

Ich mache es kurz. Sie haben ein echtes Problem und ich kann Ihnen keine Antwort geben. Keine, die Sie befriedigen würde, denn obwohl es immer wieder Parallelen gibt ist doch jede Situation anders. Aber Stress ist in den meisten Fällen vorbestimmt. Ich kann Ihnen meine Anteilnahme versichern und ein paar Begebenheiten aus meiner Umgebung schildern, aber mit der Sache müssen Sie selber fertig werden, denn ich kann Ihnen nicht sagen, wie weit Sie bereit sind dafür zu gehen. Das klingt jetzt sehr dramatisch – ist es auch.

Mit fremden Menschen über Homöopathie zu diskutieren, kein Thema. Man streitet sich und geht sich danach aus dem Weg. Nur in der eigenen Familie oder im Freundeskreis  kann das wirklich zu tiefgreifenden Problemen führen.  Denn da bleibt es hängen. Und ich weiß, wovon ich spreche.
Mein Lieblingszitat von Carl Sagan findet auch hier wieder seine Berechtigung.

Sie können einen Gläubigen von gar nichts überzeugen, denn sein Glaube beruht nicht auf Beweisen, sondern auf dem tiefsitzenden Bedürfnis zu glauben.

Und darum werden Sie in den meisten Fällen scheitern, denn die wenigsten wollen Informationen bekommen, die das, was sie so lieb gewonnen haben, korrigieren oder sogar als falsch darstellen. Sie bekommen das Gefühl, als würden Sie ihnen etwas lieb gewonnenes wegnehmen und verstehen nicht, dass Sie ihnen eigentlich etwas schenken möchten, nämlich die Sicherheit, das Richtige zu tun, sei es für sich oder die anderen. Häufig ist es so, dass sie nicht einmal wissen, was Homöopathie eigentlich genau ist, wie es hergestellt wird, was dahintersteckt geschweige denn welche Gesetzmäßigkeiten. Oft wird es von Freunden empfohlen und was hängenbleibt ist „Sanfte Medizin, Nebenwirkungsfrei, günstig, für alles, böse Pharma.“ Wenn die letzte Aussage fällt ist der Brunnen bereits vergiftet und die Wand zugemauert. Dann können Sie nur noch auf einen plötzlichen Anfall von Vernunft hoffen. Und hoffen. Und hoffen. Und hoffen.

Sie können Irrationalität nicht mit Rationalität besiegen. Die Prinzipien hier sind die gleichen wie beim religiösen Glauben. Denn die meisten wollen keine Erklärung, sondern eine Bestätigung. Und dann kommen Sie mit den harten Fakten. Prost Mahlzeit. Ich hatte einmal eine Diskussion mit einem Bekannten, der Homöopathie ganz klasse fand und es auch seinen Kindern gab. Im Verlauf des Gesprächs wurde er immer erzürnter, was dann darin gipfelte, dass er mich anschrie: „Du verstehst es nicht, ich will daran glauben!“ In diesem Moment erübrigt sich jede weitere Diskussion, denn den Wunsch, an etwas zu glauben können Sie nicht wegdiskutieren. Keine Chance. Und der erste Stachel in der Beziehung sitzt.

Ich habe das große Glück, dass meine beste Ehefrau der Welt über die Thematik genauso denkt wie ich. Bis zu einem bestimmten Punkt. Und das ist, wenn Freunde und Bekannte ins Spiel kommen. Denn mit denen redet man darüber nicht, da so etwas Freundschaften sprengen kann. Ohne Witz. Freunde und Bekannte sind tabu. Um des Friedens Willen. Und genau das ist der Punkt. Wollen Sie Freundschaften erhalten oder Recht haben? Sie haben Recht, ohne Frage, aber eben nicht für die anderen™. Das Thema kam auch bei uns schon mehrmals zur Sprache. Eine Bekannte schwört auf Homöopathie, sie hat der „Schulmedizin“ den Rücken gekehrt und sieht sich bei ihrer Homöopathin in besten Händen. Egal was es ist, sie weiß Rat. Mann, hab ich mir eine Packung abgeholt. Ich hätte ja keine Ahnung und sie sieht nicht ein, dass sie sich von der Pharmaindustrie, die uns ja doch nur abzocken will, mit überflüssiger und gefährlicher Chemie krank machen lässt. Wir reden seitdem  sehr wenig miteinander. Sie bekam dann ein Problem mit ihrem Ohr. Ich hatte das gleiche Problem auch schon einmal und weiß, wie dramatisch es werden kann. Ja, Antibiotika, denn diese Art von bakterieller Entzündung kann bis zum Hörverlust führen. Ich habe von meinem Ohrenarzt eine harmlose Salbe bekommen, die bei leichtem Auftreten dafür sorgt, dass es direkt wieder verschwindet und sich nicht verschlimmert. „Ich nehme keine Scheiß-Chemie!“ Die Schmerzen wurden sehr schlimm und das Ohr war bereits komplett zu geschwollen. Aber ihre Homöopathin wusste, was sie tat. Seitdem haben wir von der Sache nichts mehr gehört. Sie eventuell auch nicht mehr.

Sie mögen es eine Stufe härter? Der größte Teil meiner Nachbarn ist esoterisch veranlagt. Direkt neben mir wohnt eine Feng-Shui Meisterin, die die Vitalfeldtheapie (Global Diagnostics mit einem von einem OT8-Scientologen entwickelten Gerät, mit dem Sie nur den Hautwiderstand messen) für sich entdeckt hat und praktiziert es nun auch. Daneben wohnt ein nettes älteres Ehepaar, mit dem wir seit langen Jahren befreundet sind. Der Sohn ist Wünschelrutengänger, eine Tochter Homöopathin. Die Mutter wurde einmal von einer Zecke gebissen. Das volle Programm, inklusive Cortison, aber man bekam es nach einem Jahr wieder in den Griff. Die Tochter gab Ihr dann Zeckenglubuli, die auch präventiv wirken sollen. Natürlich fragte ich, wie Prävention möglich sei, da es in der HP per Definition gar nicht möglich ist (entweder oder). Wir haben immer noch ein tolles Verhältnis mit den Eltern, die Beziehung mit den Kindern ist allerdings angespannt. Und immer wieder pochen sie auf ihre persönlichen Erfahrungen.

Noch eine Spur härter? Anschnallen. Ein Jugendfreund meiner Frau ist promovierter Mediziner. Ein wirklich netter Kerl, der allen helfen möchte und keiner Fliege etwas zu Leide tut. Ich mag ihn. Er arbeitet allerdings fast nur noch esoterisch als Energetiker, das volle Programm, seine esoterische Begeisterung reicht für fünf, ach, für zehn.  Sein Angebot umfasst den vollen energetischen Katalog. Jedes Verfahren davon wurde überprüfbar widerlegt und beruht auf reinem Glauben. Seine Erfahrung zeigt, dass bei 90% seiner Kunden eine „schulmedizinische“ Behandlung nicht funktioniert hat. Kunststück, diejenigen, bei denen es funktioniert hat, haben ja auch keinen Grund in seine Praxis zu kommen. Egal. Er postete dann einen Artikel über orthomolekulare Medizin, also die Gabe von hochdosierten Vitaminen, indem die Gabe von hochdosiertem Vitamin C empfohlen wurde. Der Artikel entstammt der Seite vom Kopp-Verlag, einem bekannten Verschwörungs-, Ufo- und  Esoterikverlag mit starken Verbindungen in die rechte Szene. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Was würden Sie tun?

Ich tat folgendes. Es gibt mehrere verifizierte Studien, welche darstellen, dass die Einnahme von zu viel Antioxidantien, sprich Vitaminen, beim Menschen Schaden anrichten, gerade auch bei Vitamin C. Das Prinzip ist einfach. Sie kommen auch mit einem halbvollen Tank von einem Ende der Stadt zum anderen, nur wenn der Tank voll ist und Sie versuchen trotzdem noch weiteres Benzin einzufüllen richtet das Benzin im Auto Schaden an. Und der kann erheblich sein. Bei Vitamin C können das Nierensteine sein bzw. kann es sogar krebsfördernd wirken. Und ich sprach ihn darauf an und postete die Studien. Und natürlich fragte ich Ihn, warum er als Arzt Berichte von esoterischen Seiten mit rechtem Hintergrund posted, die den Menschen falsche Tatsachen vorspielt, währen das dort Gepostete den Menschen tatsächlich schade? Seine Erklärung lautete, dass er keine Lust habe über das Thema zu reden, da er tolle Erfahrungen im Praxisalltag hatte und es sowieso sinnlos sei, mir das zu erklären, da ich meine Meinung darüber nicht ändern würde. Ich würde seine Denkweise sowieso nicht verstehen.

Nun, meine Meinung dazu ist, dass nach meinem Verständnis Ärzte sich dazu verpflichtet haben, das Wohl ihrer Patienten durch gesicherte Erkenntnisse zu unterstützen und nicht mit irgendwelchen esoterischen Dingen, die durch Studien widerlegt wurden zu gefährden, nur weil sie gerne daran glauben würden und warum er diese Studien ignoriert. Er erwiderte, er würde mich trotzdem behandeln, wenn mir die Studien einmal nicht mehr weiterhelfen würden. Das finde ich zwar sehr nett von ihm, jedoch würde das nicht passieren, da für mich ein Qualitätsmerkmal für einen verantwortungsbewussten und vertrauenswürdigen Arzt unter anderem sei, dass er sich auf überprüfte und gesicherte Erkenntnisse verlässt und nicht auf widerlegte esoterische Spielereien, da ich der Meinung bin, dass gerade Ärzte es sich nicht leisten können, ihre Patienten oder sich an der Nase herumzuführen, auch wenn gute Absichten dahinterstecken und dass es die Pflicht eines Arztes sei, sich bestmöglich und nicht nur einseitig über Therapieformen zu informieren, denn immerhin kommen die Menschen zu ihm, weil sie ihm ihre Gesundheit anvertrauen. Und da denke ich ist eine Verschwörungsseite mit rechtem Hintergrund, die für den Menschen  gefährliche Therapien vorschlägt nicht unbedingt die beste Adresse. Er ist während des gesamten Gesprächs auf keinen einzigen Punkt eingegangen, es war eine einzige Immunisierung gegen Kritik. Er gab dann kurz zu, dass ihm Vitamin C gefällt und er sich die Seite nicht richtig angeschaut hat. Als Arzt! Dann löschte er die Freundschaft. Das tut mir leid, denn wie gesagt, er ist ein netter Kerl, wenn auch durch und durch verblendet. Die Frage bleibt, wie geht es mit ihm und meiner Frau weiter.

Was hätten Sie getan? Wie viel würden Sie durchgehen lassen? Bei mir gibt es eine einfache Regel. In den meisten Fällen schaden sich Esoteriker nur selber und jeder hat das Recht auf medizinische Unvernunft. Geht aber Ihre Begeisterung soweit, dass Sie damit anderen Schaden zufügen oder wie im Falle von Impfgegnern sogar der gesamten Gesellschaft ist mein Geduldsfaden am Ende, da hört es bei mir auf.

Genau darum wiederhole ich noch einmal meine Aussage vom Anfang. Die Entscheidung, wie weit Sie gehen würden bzw was Sie in Ihrer näheren Umgebung riskieren kann Ihnen niemand abnehmen. Das müssen Sie selber tun. Denn Sie müssen mit den eventuellen Konsequenzen leben.

Mit einigen kann ich gut leben. Mit anderen nicht.

 

Mich würden auch Erfahrungen anderer interessieren, die Sie gerne im Kommentarbereich veröffentlichen dürfen. Bleiben Sie stark.

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33 Gedanken zu “Homöopathen in der Familie. Und nun?

  1. Im Grunde geht es mir so wie Dir: Wenn Leute sich selbst schaden, mache ich mich vielleicht noch darüber lustig. Aber wenn sie anderen (auch ihren Kindern) durch Nichtrichtigbehandlung Schaden zufügen, dann werde ich schon deutlich. Berühmtes Beispiel ist das Kind mit Mittelohrentzündung, wo schon Eiter aus dem Ohr läuft und die Mutter es noch immer nur mit Glaubuli behandelt.
    Und klar, Impfgegnern sage ich auch direkt ins Gesicht, daß ich sie für asoziales Pack halte, mit dem ich nichts zu tun haben will. Immerhin spielen sie mutwillig mit der Gesundheit und dem Leben nicht nur von kleinen Kindern (die zu jung für das Impfen sind), sondern auch mit dem von chronisch Kranken, die nicht oder nicht gegen alles geimpft werden. Darunter falle auch ich mit multipler Sklerose, ich sol keine Lebendimpfstoffe bekommen, also fällt MMR bei mir flach.

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  2. Eine Bekannte schwört auf die Flacherdentheorie, sie hat der “Schulgeologie” den Rücken gekehrt und sieht sich bei ihrer Flacherdlerin in besten Händen. Von Satelliten und GPS hält sie ohnehin nix. Ausserdem sieht sie ja, jeden Tag aufs neue, dass die Erde flach ist und auf der Unterseite würde man ja runterfallen. Ramen.

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  3. Hi, ich hab Deinen Bericht gelesen, und hier viel wiedererkannt. Allein schon der Eindruck, von solchen Leuten umgeben zu sein. Ich habe auch den Geomanten-Qigong-Fengshui-Schamanen mit Cowboy-Hut und Aufsitzrasenmäher links neben mir. Rechts war bis vor 4 Jahren eine Ärztin, die dann auf irgendwelche Ajurveda-Räucherrituale umgesattelt hat. Vor mir wohnte eine Geistheilerin (Reiki etc.). Und die Familie der Frau mit der ich zusammenlebte (bestehend aus Heilpraktikern, Hausfrauen, Waldorfleerern und -fans) war jedem Blödsinn gegenüber aufgeschlossen, wenn er nur ausreichend mit Pharma-Verschwörungen garniert war. Nach deinen Schilderungen glaube ich fast, du wohnst auch im Chiemgau? 😉
    Natürlich ist dann die Frage, wie damit umgehen? Das sind ja keine Leute, die wie Normal-Gläubige ihr Ding leben und die anderen in Ruhe lassen. Der Punkt ist, in der Esoterik gibt es lauter Systeme, die entweder dazu da sind Leute nach kruden esoterischen Betrachtungen zu bewerten (Astrologie, Chanelling, Hellinger, the Secret, alles mit „Höheren Bewußtsein“…) und/oder andere Leute nach kruden seltsamen Methoden zu behandeln (Homöopathie, MMS, Geistheilung, andere Pseudomedizin). Die Sachen sind in ihrem Wesen also schon übergriffig und gesellschaftsschädigend.
    Ich hab damals das Bloggen dagegen angefangen, und privat habe ich sie in Ruhe gelassen, solange es nur um sie selbst drehte. Sobald es um meinen Sohn oder mich ging, reagierte ich allerdings resolut. Und dann hab ich versucht, die Lebensabschnittsgefährtin da nicht absumpfen zu lassen, über viele Gespräche und viele Erklärungen. Wenn der Druck im Umfeld, in der Gesellschaft, in der Familie, bei den Freundinnen und Nachbarn so stark ist, ist es halt schwer sich da nicht vereinnehmen zu lassen. Ganz besonders dann, wenn man am liebsten einen Guru hätte, der einem die Entscheidungen abnimmt. Lief auf die Trennung hinaus, aber ich hab wenigstens meinen Sohn bei mir. Heute bin ich sehr froh darüber.
    Kann mich an Szenen erinnern, als ich bei einer Erkältung homöopatische Pseudomittel ausschlug. Oder nach Nachfragen erklärte warum ich meinen Sohn niemals auf eine Waldorfschule schicken würde. Oder warum ich eventuell Bio einkaufe aber niemals Demeter. Da sind Leute ausgetickt in meinem Umfeld, mit soviel Analyse sind sie nicht fertig geworden.
    Abschließend muss man aber sagen, dass jeder für sich so seine irrationale Ecke hat: „Glaube/Religion“ z.B. mag den Einen oder Anderen durchaus persönlich helfen, wenn man die Veranlagung hat. In den meisten dieser Ideologien (egal ob religiös oder esoterisch) ist aber die Übergriffigkeit schon vorinstalliert.
    Mein Fazit: Man muss es analog wie mit dem Laizismus: Jeder darf seine Ding durchziehen, darf sich selbst kaputt machen mit allem wonach ihm ist. Die Gesellschaft muss sich aber vor jeder Vereinnahmung wehren. Jeder Anweder dieser Esoterik-Methoden muss zuerst schon mal wissen dürfen, was er da tut. In manchen esoterischen Parallelgesellschaften in Deutschland ist nicht mal das noch der Fall. Politik und Gesellschaft schert sich nicht drum, die Leute aufzuklären. Im Gegenteil, man läßt sich vor den Karren spannen: Ich hab das selbst erlebt, als wir gegen die Pseudo-Homöopathie-Hochschule in Traunstein auf die Straße sind und Kreisräte angeschrieben haben. Man hätte den Leuten den roten Teppich ausgelegt, völlig egal ob politisch rot, grün, gelb oder schwarz. Das war echt schockierend, ohne jedes Unrechtsbewußtsein!
    Das ist für mich auch das große Problem: Im Bereich der spirituell motivierten Pseudoheilkunde und Esoterik leben wir in einer Gesellschaft, die hier keinerlei Unrechtsbewußtsein entwickelt hat, das ist für mich das soziale Drama, dass sich nur ganz langsam auflösen wird. Leute, die hier ein Unrechtsbewußtsein haben, kommen anderen oft noch wie Alien vor…

    LG, Jemseneier

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  4. ajki

    Das zentrale Zugeständnis dieses Beitrages, einen beliebigen anderen nicht von „Glaubensinhalten“ abbringen zu können durch irgendwelche leicht anwendbaren diskursiven Techniken oder Belegbeibringungen, ist für etliche rationaler orientierte Menschen tatsächlich eine nur schwer zu akzeptierende Tatsache. In der Folge von Auseinandersetzungen zum „Glaubensinhalt“ kommt es beinahe naturgemäß zu Streit auf einer rein persönlichen Ebene, auch wenn genau dies vonseiten des rationaler Orientierten überhaupt nicht beabsichtigt war.

    Es stimmt auch, dass der entscheidende Punkt bei einem Engagement für evidenzbasierte Techniken immer nur der sein sollte, in einem strikt überpersönlichen Rahmen gegen eine Bewerbung und Verbreitung esoterischer Praktiken anzuarbeiten – da ist die Scheidelinie: dem Einzelnen kann man in „Glaubensdingen“ nur sehr langfristig mit viel Toleranz und sozialem Mitgefühl mit übergroßem „vielleicht“ beikommen, dem Esoterikhändler mit Gewinnerzielungsabsicht, gerne auch unter bewußter Inkaufnahme von realen Schädigungen, muß man standhaft mit Widerspruch begegnen.

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  5. Thilo

    Meine schwaegerin ist bachblueten, esoterik und eh alles moegliche aus der anderswelt anhaengerin. Ihre kinder fressen globuli, werden mit rescue creme gepflegt und gehen selbstredend nicht in die schule….ehrlich? Ich habe es aufgegeben hier argumentativ taetig zu werden. Es bringt nichts.

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    1. Danke für den Kommentar. Das Ihre Schwägerin die Kinder nicht mehr in die Schule schickt ist dann schon weit über das Ziel hinaus geschossen. Und dass Sie dort nichts mehr erreichen können, ohne den Familienfrieden nachhaltig massiv zu gefährden nur allzu verständlich. Ihre Schwägerin vertritt ihren Standpunkt genauso fest wie Sie, nur dass sie anstelle von Informationen ihren Glauben daran als Basis hat. Das man in der Familie den Konflikt scheut ist verständlich. In meinem Umfeld wissen die meisten Personen, dass ich Homöopathie Kritiker bin und der bösen Aufklärungsgesellschaft angehöre. Sie begegnen mir dementsprechend skeptisch (kleiner Wortwitz).
      Es fasziniert mich immer wieder, dass viele intelligente Menschen, die durchaus bei allen möglichen Dingen eine kritische Betrachtungsweise nutzen, diese bei der Esoterik, besonders der Homöopathie, vollkommen weglassen. Es wirkt bald so, als ob jeder ein bisschen Magie in seinem Leben haben möchte.

      Genau wegen den geschilderten Beispielen setzen wir uns dafür ein, dass die Homöopathie aus unserem Gesundheitswesen verschwindet und aus den Bildungsstätten herausgehalten wird. Sie muss als das gezeigt werden, was sie ist. Hokuspokus Jahrmarkts-Medizin. Denn wer erst einmal die Tür zum Aberglauben öffnet und dort Gleichgesinnte findet wird schnell auch in anderen Bereichen fündig, was dann zu so extremen Situationen wie die Ihrer Schwägerin führen kann.

      Herzliche Grüße.

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  6. Jonathan

    Meine Frau ist zwar eigentlich überhaupt nicht starke Verfechterin von Homöopathie, sie kennt viele meiner Argumente und ist selbst keine Nutzerin von den Globuli. Allerdings hat sich im Laufe der Jahre trotzdem ein Streitthema herauskristallisiert. Immer wenn ich anfange über Homöopathie zu reden, reagiert sie wie von der Wespe gestochen und ist davon genervt, dass ich eine „Hardliner“ Meinung habe, und die Meinungen anderer nicht zulassen würde. Nun haben wir einen kleinen Sohn und sie sprach schon darüber, dass sie, wenn er weint und Schmerzen hat (z.B. wegen einem kommenden Zahn), aber nicht so sehr, dass man ein Zäpfchen geben würde, sie es schön fände, wenn sie trotzdem ein Globuli geben könnte. Ich bin nicht der Meinung, aber immer wenn ich versuche ihr zu erklären warum kommt sie mit Anekdoten ihrer Mutter oder anderer Bekannter (bzw. dem Argument der breiten Masse) und wenn ich versuche dagegen zu argumentieren, fasst sie es als überheblich und vermessen auf.

    Leider sind die Fronten ganz schön verhärtet, so dass allein das Erwähnen von Homöopathie wie ein rotes Tuch wirkt. Sehr schade, aber größtenteils bin ich schuld, da ich zu häufig (als ich mich recht frisch mit dem Thema beschäftigt habe) sehr kategorisch und hart argumentiert habe. Ich habe faktisch argumentiert, sie wollte erläutern warum meine Fakten zwischenmenschlich Schaden anrichten können. Es ist halt immer schwer da eine saubere Trennung hinzubekommen.

    Unser Sohn kommt jetzt bald in die Kita und eventuell bekommen wir einen Platz in einer Waldorf-Kita, was mir leichte Bauchschmerzen bereitet. Als ich erwähnte, dass es mir wichtig sei, dass unser Sohn rechtzeitig Immunschutz vor Masern, Mumps, Röteln haben soll, da die Durchimpfungsrate in der Kita sicherlich geringer ist als in der generellen Bevölkerung ist sie gleich wieder an die Decke gegangen. *Seufz*

    Lg

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    1. Herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Ich kenne die Situation. Meine Frau ist da etwas entspannter, da sie die gleichen Auffassungen vertritt wie ich. Wir haben uns darauf geeinigt, dass das Thema im Freundes- und Bekanntenkreis unterlassen wird. Fangen diese davon an halte ich mich ebenfalls zurück. Es würde tatsächlich nichts bringen, da es immer zu einer asynchronen Kommunikation kommt, wenn ein Teil sich sehr informiert hat und der andere nur rudimentär bzw. gar nicht. Diese Thematik kann nur auf politischer Ebene gelöst werden, nicht auf privater.
      Leider schaffen es viele nicht zu unterscheiden, dass es sich dabei nur um eine Facette der Person handelt und nicht um die ganze Persönlichkeit.
      Die Geschichte mit dem (ex-) befreundeten Arzt ist nur ansatzweise dargestellt und stellt nur die Spitze des Eisbergs dar. Doch das kann ich nicht alles darstellen, da mir dann a) der Pulsschlag explodieren würde und b) es sehr privat ist. Das war wirklich harter Tobak und das komplette Programm der Ignoranz. Mehrmals. Meine Frau findet dass, was passiert ist auf Grund der persönlichen Verbindung nicht gut, kann es aber nachvollziehen. Arzt zu sein muss man sich nicht nur erarbeiten, sondern auch verdienen und dort ist der Zug offensichtlich vollkommen abgefahren.
      Ich habe mit ihm privat kein Problem, da er ein netter, wenn auch verblendeter unbelehrbarer Kerl ist, der denkt, er würde den Menschen tatsächlich helfen (und dieses wahrscheinlich sogar tatsächlich etwas mit seiner Persönlichkeit tut). Da ich allerdings seine Existenzgrundlage in Frage stelle muss er zwangsläufig sein Revier verteidigen. Nicht jeder hat den Mut und die Ehrlichkeit einer Frau Dr. Grams.

      Bei Impfgegnern bin ich allerdings gnadenlos, egal wer es ist. Setzen Sie sich durch, sollten Sie Informationen benötigen um Ihre Frau zu überzeugen, nicht zu überreden, fragen Sie einfach an. In den meisten Fällen verlaufen Masernerkrankungen harmlos, wobei es oft im Alter zu Hirnschädigungen kommen kann, dass weiß man halt nicht vorher. Aber manchmal verläuft die Krankheit auch tödlich. Ist Ihre Frau bereit, das Risiko gleich drei Mal auf sich zu nehmen? Oder bereit, dass Ihr Sohn andere ansteckt, die nicht geimpft werden können?
      Sollte Ihre Frau sich auf den Autismus-Vorwurf berufen, der ist vom Tisch, der Verfasser dieses Vorwurfs landete vor Gericht und hat seine Aussagen widerrufen, nur kommt diese Info wohl bei vielen nicht an.
      Informieren Sie sich mit Ihrer Frau zusammen über die Waldorf-Stätten. Sie genießen unerklärlicherweise einen guten Ruf, wobei es tatsächlich Esoterikschmieden eines rechten Antisemiten sind. Ich kenne einige Waldorf-Absolventen. Sie haben alle eines gemeinsam, sie sind nicht konfliktfähig. Ist aber nur meine persönliche Erfahrung. Es gibt auch andere gute Kitas.

      Herzliche Grüße

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  7. Werekorden

    Auch ich habe mit Problemen in der Familie und im Freundeskreis zu kämpfen. Wie so oft zeigt sich aber “ je länger man das Abdriften in diese esoterischen Welten akzeptiert um so gefährlicher und schwieriger wird es die Personen zurückzuholen, bis wir zum Punkt wie oben erwähnt kommen, ab dem es kein einfaches Zurück mehr gibt.

    Dazu kann man nur ein Fazit ziehen: Wehret den Anfängen!

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    1. Genau das ist unser Ziel. Homöopathie ist der Türöffner in die Welt des Aberglaubens und der Esoterik, denn wer bereit ist dort sein kritisches Denken zu untergraben wird es auch leicht bei anderen Dingen tun.
      Wir haben den Aberglauben des Mittelalters nicht hinter uns gelassen und uns weiterentwickelt, nur um diesen dann zurück zu fordern. Und sollten den doch welche benötigen müssen sie diesen auch selber bezahlen und für die Konsequenzen einstehen, nicht andere.
      Herzliche Grüße

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  8. Chris

    Das größte Problem für mich sind die Kinder, die von vielen Seiten gefährdet sind. Auf der einen Seite Ritalin und ähnliche Medikamentationen, bei denen ich das Unwohlsein vieler Eltern mit ärztlichen Verschreibungen nachvollziehen könnte.
    Auf der anderen Seite die heilbringende Alternative Homöopathie. Also nix tun. Das geht ja auch in vielen Bereichen gut. In meinem Umfeld sind aber mehrere Fälle in denen neurologische oder virale Erkrankungen dann halt auch mit Homöopathie behandelt werden. Das geht dann in vielen Fällen für mich in den Bereich der Kindeswohlgefährdung. Und dann? Ich kann es nur sehr schwer ertragen ein Kind mit den Nachwirkungen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas homöopathisch behandelt zu sehen.
    Überigens, ein Gericht oder Jugendamt würde selbst bei einer Meldung nicht einschreiten, denke ich. Weil ist ja das Recht der Eltern, die medizinische Behandlung des Kindes zu wählen.

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    1. Carsten

      Bei einer massiven akuten Gefährdung des Kindes durch das Verhalten der Eltern würde man eingreifen. Wenn ich feststellen würde, dass ein Kind mit einer gefährlichen Krankheit falsch behandelt wird, würde ich im Zweifel die Polizei und/oder Notarzt verständigen und denen den Sachverhalt schildern. Bei akuter Lebensgefahr hört der Spaß auch für die Behörden auf.

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    2. DalekSander

      Oh je, nun kommt die Abwandlung des Godwin’s Law, das Ding mit dem „Ritalin“. Unbedingt „gefährdend“. Ich habe jetzt wirklich Lust, das, was Sie schreiben, als grenzdebil zu bezeichnen. Ich halte mich aber noch – noch! – mit dieser überaus treffenden Bezeichnung zurück. Denn vielleicht haben Sie sich nur unklar ausgedrückt – mit dem deutschen Satzbau und mit der Interpunktion haben Sie es ja offensichtlich nicht so. Würden Sie bitte die Güte haben, in zwei-drei kurzen und grammatikalisch korrekt aufgebauten Sätzen zu erklären, was Sie eigentlich mit Ihrem Beitrag zu sagen hatten? Mein Dank sei Ihnen gewiss.

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      1. Chris

        Versuchen wir es mal, meine kruden Gedankengänge auch für Sie – und vielleicht für andere – klarer auszudrücken.
        Ich glaube, dass es nur sehr wenige Eltern gibt, die ihren Kindern Böses wollen. Das Beispiel Ritalin – welches ziemlich unzweifelhaft nicht selten zu lange oder auch nicht induziert verschrieben wird – soll die nicht unberechtigte Angst von vielen Eltern illustrieren, ihren Kindern trotz medizinischem Rat nicht unbedingt Gutes zu tun.
        Also nehmen sie jeden Rat an, der ihnen sinnvoll erscheint. Und das ist nicht unbedingt der ärztliche Rat.

        Ist nun einer der Eltern auf esoterischen Pfaden, nutzt es wenig, mit Rationalität zu argumentieren. Aus eigener Erfahrung ist es sogar am Besten einen neutralen Mediator dazu zu nehmen, da die rationale Sichtweise von Esoterikern genauso als Glaubensrichtung gesehen wird, wir die eigene. Beide Parteien wollen aber prinzipiell nur „das Beste“ für das Kind.

        Mein größtes Problem ist es aber, mit ansehen zu müssen, wenn Kindern esoterische Mittel gegeben werden, weil die Eltern die eigene „Glaubensrichtung“ für bedingungslos richtig ansehen.

        Und leider habe ich mehrere solche Fälle erlebt:
        Blasenentzündungen, das genannte Schädel-Hirn-Trauma oder auch Schmerzen werden homöopathisch behandelt, weil es ja eine so sanfte Behandlung ist.
        Diese Fälle sind für mich schon Fälle der Kindeswohlgefährdung, bei denen nun nicht das Kind an Leib und Leben gefährdet ist, aber Kindern aufgrund der Esoterik der Eltern eine sinnvolle Behandlung verwehrt wird. In die gleiche Kerbe schlagen für mich Impfgegner, etc.

        Aber auch wenn in meinem Weltbild diese Verhaltensweisen nicht tolerabel sind. Es bleibt dabei, ich kann die Angst der Eltern verstehen, Und auch mir wurde in Bezug auf meine Kinder schon viel Unsinn von Ärzten und Therapeuten vorgeschlagen. Sowohl in Richtung Esoterik, als auch in Richtung Pharmakologie.

        Ich hoffe, das ist jetzt klarer. Sollten orthografische Fehler vorhanden sein, oder der Satzbau dem werten Herrn zuwider sein, so erhöht dies lediglich die Aufmerksamkeit des Lesenden. Und Höflichkeit ist und bleibt scheinbar etwas, dass manchen Menschen fremd ist. Schade!

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      2. Carsten

        @DalekSander
        Sie haben anscheinend keine Ahnung, was Godwins Law (wird übrigens im Deutschen ohne Apostroph geschrieben) eigentlich ist.
        Mit der Erwähnung von Ritalin in einem medizinisch orientierten Blog hat das wohl nichts zu tun, es sei denn, Sie wären jetzt derjenige, der dieses Pseudogesetz erfüllen will.
        Ihre Zurückhaltung ist lobenswert, aber ein billiger Trick, da Sie Ihre Bezeichnung „Grenzdebil“ ja bereits geäußert haben.
        Ihr Argumentum ad Hominem bezüglich des Satzbaus gegen Chris können Sie sich in Ihre inkompetente Tasche stecken.
        Ich habe sehr gut verstanden, wie die Argumente lauten. Ihre allerdings gehen ins Leere, denn Sie sagen absolut nichts aus.
        Ich glaube, lieber DalekSander, Sie sind ein Troll, der sich nur über die Form seines Gegenübers auslassen kann, und zum Inhalt überhauptnichts zu sagen hat.
        Sie bestätigen exakt das, was hier von vielen bereits geäußert wurde.

        Von daher sei Ihnen jetzt schon der Dank gewiss.

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        1. DalekSander

          @ Carsten:
          Versuchen wir es mal mit der Methode „Lesen und verstehen“:


          Haben Sie auch das Wort „Abwandlung“ in dem ersten Satz gelesen? Ich nehme an, Sie kennen die Bedeutung dieses Wortes. Warum blenden Sie es denn gezielt aus? Sie würden einen solchen Trick vielleicht „billig“ nennen. Ich gehe einfach davon aus – in dubio pro reo – dass Sie meinen Text vor lauter Aufregung nicht gelesen, sondern nur überflogen haben.


          Apropos Aufregung: Dem aufgeregten und aggressiven Ton Ihres Postings entnehme ich, dass meine Andeutungen ganz offensichtlich wunde Punkte trafen. Es ist aber nichts Persönliches und kann es nicht sein, da ich weder Sie noch den Verfasser des Ursprungspostings persönlich kenne. Ihre „ad hominem“-Insinuation könnte in diesem Zusammenhang selbst als eine solche erscheinen.


          Auch wenn ich gern in Skandinavien unterwegs bin: zu einem nordischen Fabelwesen hat’s bislang nicht gereicht. Danke jedoch für Ihr Glaubensbekenntnis; interessant, ein solches von einem – wie ich annehme – Skeptiker zu erfahren.

          Ich hoffe, Unklarheiten aus dem Wege geräumt zu haben. Falls Sie dennoch auf eine offene Polemik aus sind, stehe ich natürlich auch für eine solche zur Verfügung. In diesem Fall rechnen Sie jedoch bitte mit einer der Ihren angepassten Rhetorik.

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          1. Ich muss zugeben, dass auch ich Ihr Auftreten hier als sehr aggressiv empfinde. Ich hatte kein Problem damit, die Aussage des Kommentars zu verstehen und bin nicht nur verwundert, dass Sie hier mit einer polemischen Keule aufschlagen, die vollkommen ungerechtfertigt ist sondern auch ein wenig entsetzt, dass Sie anstelle eines „da war ich vielleicht etwas zu ungestüm“ versuchen, Ihre Aussage zu revidieren und auch noch nachtreten. Plus willkürliche Unterstellungen machen. Nicht unbedingt die feine Art.
            Sie wissen doch, wie man in den Wald hineinruft…

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  9. Ret

    ich hatte vor kurzem zei Erlebnisse mit meiner Schwester:
    Vor einem Jahr war sie schwanger und überlegte ernsthaft ob sie ihr Kind impfen lassen sollte. Diese Gedanken wurden auch von ihrer Hebamme genährt, die ein bisschen …sanft… angehaucht war. Ich bin Sanitäter und habe in meiner Familie somit die höchste medizinische Ausbildung/Erfahrung (ja, ich weiß, kein richtiger Arzt, aber immerhin irgendwas). Deswegen hat meine Stimme zu medizinischen Themen in meiner Familie etwas mehr Gewicht. Zum Glück konnte ich sie mit rationellen Argumenten überzeugen, ihre Tochter doch impfen zu lassen.

    Vor zwei Monaten war ihre Tochter krank. Sie wollte sich für ihre Tochter ein paar Globuli von unseren Eltern abholen, welche wir aus unserer Kindheit dort noch haben. Da es sich bei der Erkrankung um eine harmlose Infektionskette handelte, dachte ich mir zwar meinen Teil, hatte aber kein grundsätzliches Problem, habs wegen dem psychologischen Effekt durchaus OK gefunden.
    Natürlich waren die Ablaufdaten längst überschritten, woraufhin meine Schwester meinte, dass sie sie dann doch lieber nicht nehmen wolle. Auf meine lapidare Aussage, dass es eh nur Zuckerkügelchen sind und Zucker nicht ablaufen kann, meinte sie, dass doch ein bisschen Wirkstoffe drinnen wären.
    Ich war zwar schockiert von der Aussage, aber da es eine Tür-und-Angel-Konversation war, hab ich die Diskussion an der Stelle abgeschnitten. Seither hadere ich schon mit mir und frage mich, wie ich das Thema am besten ansprechen kann und ihr ruhig mein Wissen dazu vermitteln kann. Ich mags zumindest versuchen, bevor sie von ihren Freunden auch bei schweren Erkrankungen von Homöopathie überzeugt wird.

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    1. Carsten

      Lieber Ret,

      da hilft, wenn überhaupt, nur vorsichtige Aufklärung.
      Sie können lediglich die Aufmerksamkeit Ihrer Schwester auf die Homöopathie lenken und sie dazu animieren, sich GANZ genau mit dem Thema zu befassen.
      So, dass sie sich selbst damit in alle Richtungen auseinandersetzt und selbst sieht, welche Grundlagen dahinterstecken.
      Nur auf diese Weise wird sie den Unsinn selbst erkennen. Wenn sie auch nur ein klein wenig wissenschaftlich interessiert ist, wird sie es selbst erkennen.

      Alles andere ist sinnlos, da ein Mensch, der glaubt, nicht überzeugt werden kann.
      Mit lauten Argumenten gefährden Sie lediglich den Frieden, so richtig sie auch sein mögen.

      Sollte allerdings unmittelbare Gefahr drohen, steht Ihnen der Weg zu den Behörden natürlich frei.

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      1. Ich mache es mittlerweile ebenfalls so. Der Punkt ist doch, dass viele zwar kein Problem mit Aufklärung haben, aber niemand gerne belehrt werden möchte. Und wer gibt schon gerne zu, dass er sich getäuscht hat, gerade vor anderen. Da fällt dann auch meistens „Klugscheisser“ oder „Oberlehrerhaft“ .
        Man kann Leuten Informationen nicht aufs Auge drücken. Man kann sie aber neugierig machen und ihnen die Richtung weisen, wo sie diese finden.

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  10. Ich habe sehr ähnliche Erfahrungen gemacht und auch ähnliche Konsequenzen daraus gezogen. Bei Freunden und Bekannten lasse ich mich vielleicht auf einen Streit ein, der die Freundschaft kosten könnte. Aber meist ist es mir die Sache nicht wert, zumindest wenn sich der Irrsinn noch in halbwegs vertretbaren Grenzen hält. Innerhalb der Familie ist das noch mehr gegeben, denn ich möchte da keinen Bruch herbeiführen, wenn es vermeidbar ist. Dafür sind mir die Menschen dahinter zu wichtig, auch wenn ich ihre Ansichten für grotesken Unsinn halte.

    Meine Taktik im Umgang damit habe ich mir tatsächlich in langwierigen Diskussionen zum Thema Religion mit Gläubigen erarbeitet: Ich versuche, extreme und starke Gegenargumente erst mal weitestgehend zu vermeiden und suche stattdessen nach einem Bereich, bei dem wir uns auf eine gemeinsame Haltung einigen können. Davon ausgehend suche ich dann einen relativ harmlosen Widerspruch, wo irgendwas nicht so richtig zusammenpasst und diskutiere über den (ohne dabei zu aggressiv zu werden). Das kann dazu führen, dass das Gegenüber dann tatsächlich ins Grübeln kommt und anfängt, die eigene Haltung zumindest in Teilen zu hinterfragen. Wenn das passiert (was nicht oft der Fall ist), dann kann man darauf aufbauen und weiter auf Zusammenhänge hinweisen, die nicht so richtig passen wollen. Möglichst ohne Druck und ohne Vorwürfe.

    Man kann Menschen nicht dazu zwingen, das eigene Weltbild in Frage zu stellen, sie müssen das selber wollen und machen. Man kann bestenfalls eine Hilfestellung dabei geben und darauf hoffen, dass es irgendwie fruchtet.

    Und natürlich die gleichen Maßstäbe auch bei sich selber anlegen und sich selber immer wieder überprüfen und hinterfragen. Der Weg zur Ideologie ist ja immer gegeben, für jeden von uns.

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  11. Ich

    Weihnachtliche Diskussion mit dem Schwager. Er brachte einige Beispiele, bei dem die Homöpathie geholfen habe. Das ist ein Problem. Erstens bin ich kein Mediziner, zweitens kenne ich gar nicht Hintergründe und ob sie korrekt geschildert wurden. Also versuchte ich es anders:

    Mit Homöpathie kann man aus ALLEM eine Arznei machen. Aus Hundekot, Uran, „Mondstrahlen“, egal was! Diesen Irrsinn versuche ich darzustellen.

    Homöpathische Arzneimittel haben KEINEN Wirkungsnachweis. Das wissen die wenigstens.

    Auf Anekdoten gehe ich nicht weiter ein. Ich versuche darzustellen, dass ich VOR der Behandlung wissen möchte, wo ich die wahrscheinlich wirksamste Therapie finde.

    Gäbe es nur Homöopathie, wäre meine Frau schon zweimal gestorben. Das Argument wurde mir übel genommen, aber es entspricht der Wahrheit, wird wohl auch anerkannt.

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    1. Ja, so ging es mir am 1. Weihnachtsabend mit dem erwähnten Arzt. Nur das derjenige eben tatsächlich Arzt ist und sich vollkommen weigert, seine eigenen proklamierten Erfolge einmal zu hinterfragen geschweige denn auf irgendeinen von ihm selber überprüfbaren Beleg einzugehen. Dort kamen nur noch Standardpropagandaphrasen, die einzig und allein dem Zwecke der Kritikimmunisierung und dem vergiften des medizinischen Brunnens dienten. Er würde das allerdings nicht so sehen und ich wäre derjenige, der sowieso nicht zu überzeugen wäre. Immerhin würde ich ja nicht die vielen tollen Erfolge kennen, die er mit seinen (Scientlogy-) Geräten hat.
      Sämtliche Hinweise auf Widerlegungen wurden komplett zurückgewiesen. Ehrlich, da ist es dann nicht mehr wirklich schlimm, wenn der Kontakt abbricht, da sich diese Denkweise auch mittlerweile auf seine komplette Denkweise überträgt. Wie gesagt, Spitze des Eisbergs. Die erste Diskussion, die ich mit ihm diesbezüglich vor einiger Zeit hatte war ein einziger Dauerbeschuss von Blendgranaten. Nur wollen diese Menschen keine Informationen, sondern pure Selbstbestätigung. Und das schafft man am besten durch Ignoranz von Argumenten und Belegen.
      Es sind – hurra – nicht alle so und einige wagen einen Blick über den sehr hohen Tellerrand.

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  12. Myria

    Danke für den Artikel, er thematisiert gut das Grundsatzproblem, das man als skeptisch-rationaler Mensch mit Anhängern von Homöopathie wie auch anderen Glaubenssystemen hat.
    Bei mir kam das Thema Homöopathie und sonstige „Alternativ“-Medizin mit meinem Partner in mein bis dato davon glücklicherweise recht freies Leben. Er stammt aus einer Familie, die insbesondere von Seiten der Mutter gegenüber esoterischem Gedankengut sehr aufgeschlossen ist – das geht von Anthroposophie inkl. des obligatorischen Waldorfschulbesuchs, über Homöopathie-TCM-Schüssler-Bach-Heileurythmie-Hokuspokus im medizinischen Bereich, bis hin zum Glauben an Engel und Geisterwesen und dem Besuch von Schamanenseminaren. Natürlich wurde er als Kind auch nicht geimpft und hat den ganzen Katalog an „Kinder“-Krankheiten durchgemacht.
    Mit langer, sanfter Überzeugungsarbeit habe ich ihn immerhin dazu bringen können, sich zumindest über Homöopathie einmal etwas besser zu informieren (d.h. über die anekdotischen Ansichten und Empfehlungen seiner Mutter und deren alternativer Ärztin hinaus), wobei der Prozess noch lange nicht abgeschlossen ist.
    Das Thema belastet unsere Beziehung durchaus – für sich allein kann das jeder handhaben, wie er möchte, aber insbesondere, wenn wir über gemeinsame Kinder nachdenken, schwingen die Fragen immer mit: wie wir diese medizinisch begleitet wissen wollen, ob sie geimpft werden (für mich überhaupt keine Frage!), welche Schule/Kindergarten sie besuchen werden etc.
    Es ist allerdings wirklich kaum möglich, jemandem, der in einem entsprechenden Umfeld groß geworden ist – mag er auch eine intelligente Person sein-, aus seiner von Hause aus bedeutungsschwangeren Welt von durch den Menschen noch nicht ganz verstandenen Naturphänomenen und übergeordneten Sphären in eine naturwissenschaftlich-rationale Perspektive zu „überführen“; insbesondere auch dann nicht, wenn eine solche naturwissenschaftliche, analytische und kritische Grundbildung schon in der Schule stark vernachlässigt wurde oder zumindest nicht nachhaltig war.
    Nun, ich habe mir meinen Partner sicher nicht wegen seiner naturwissenschaftlichen Bildung und seines medizinischen Fachwissens ausgesucht, da gibt es genug andere Gründe und ich möchte das hier auch gar nicht schwarzmalen oder ihn als Person in irgendeiner Weise schlechtreden. Wir führen abseits des Medizinthemas eine sehr glückliche und harmonische Beziehung. Es ist aber eine Differenz, mit der wir langfristig umzugehen lernen müssen, und ich weiß noch nicht so recht, wie.

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  15. Spinoza

    Manchmal kann es aber auch anders laufen. Ich hatte jahrelang eine Pollenallergie, deren Symptome ich mehr oder weniger erfolgreich mit Cetrizin behandelte. Anfang des Jahres brachte mir meine Mutter irgendwelche Globuli mit. „Ich weiß zwar, dass du nicht glaubst, dass die wirken, aber wenn du recht hast, kann ja nichts Schlimmeres passieren, als dass alles so bleibt, wie es ist.“ Um des lieben Friedens Willen habe ich nun also meinen täglichen Laktosekonsum um ein paar Milligramm erhöht. Unerwarteterweise ist nun dieses Jahr meine Allergie aber tatsächlich deutlich besser geworden. Mir ist zwar klar, dass das nichts mit diesen Globuli zu tun hat (Allergien können sich halt nun mal verändern), aber meine Mutter fühlt sich in ihrer Aversion gegen die Schulmedizin ebenso bestätigt wie in ihrem Aberglauben an die Homöopathie und Ähnlichem und ich ärgere mich darüber, dass ausgerechnet ich ihr auch noch vermeintliche Argumente dafür geliefert habe.

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  16. Janxgeist

    Danke für den Artikel!
    Eine effektive Methode gegen Homöopathie- und sonstigen irrationalen Glauben habe ich leider auch noch nicht gefunden, aber es ist tröstlich, dass es menschen gibt denen es ähnlich ergeht. Es fällt mir allerdings zunehmend schwerer zuzusehen wie sich Menschen selbst schaden. Aktuell wurde bei einer Freundin meiner Partnerin aggressiver Brustkrebs diagnostiziert – was macht sie? Lässt sich mit einem Lakhovsky Oszillator behandeln ( http://www.psiram.com/ge/index.php/Georges_Lakhovsky) und nimmt hochdosiertes Curcumin anstatt sich operieren zu lassen!

    Da ich mich aufgrund persönlicher Erfahrungen auch kritisch mit Religionen auseinandersetze habe ich bei Street Episthemology eine „Methode“ gefunden die helfen kann, damit Menschen ihre Glaubenssysteme hinterfragen (streetepistemology.com/)

    Vieleicht hilft es ja dem einen oder anderen.

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  17. Peter

    Ich spreche im Umfeld von meinen Liebsten gar nicht mehr darüber. Ab und zu muss ich mir zugegeben arg auf die Lippen beissen, wenn Person A über wiederkehrende Schlafstörungen berichtet, und ihr Person B mit dem Hinweis „das hat mir toll geholfen“ ein Arnica oder Belladonna in die Hand drückt.

    Ich habe mir angewöhnt, in meinem intimsten Umfeld die Klappe zu halten – allerdings nur, solange ich davon ausgehe, dass sich die Betroffenen nicht selber schädigen, bzw. niemand anderem Schaden zufügen.

    Zugegeben, manchmal denke ich wirklich „himmelherrgottzack, wie kann man nur derart Erkenntnisresistent sein?!“. Aber ja: Mein liebes Umfeld zu erhalten ist mir sehr viel wichtiger, als einen Bruch zu riskieren, der ohnehin nicht dazu führen kann, dass das Gegenüber zur Einsicht gelangt.

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