Der DZVhÄ und das Ringen um Akzeptanz oder sollte Russland schlauer sein? 

Da bin ich doch gerade beim Stöbern durch die News über folgenden Artikel gestolpert.

Russland: Kritik an Diskussion um Homöopathie-Verbot

Tja, mein lieber DZVhÄ, so leid es mir tut das sagen zu müssen, so langsam wird es dann doch eng und auch andere verstehen weltweit, warum die schwammigen Argumente, die der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte zur Verteidigung seiner alchemistischen Weltanschauung immer wieder mantramässig vorbringt völlig unhaltbar sind. Und ja, es juckte mich in den Fingern, als ich diesen Bericht las. Mal zwei Beispiele aus diesem Artikel:

„Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) kritisiert, dass die Patienten bei Diskussionen über die Homöopathie nicht zu Wort kommen“

Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Homöopathie auseinandersetzt müsste sich bei dieser Aussage vor Lachen fest auf die Schenkel klopfen, denn hier handelt es sich offensichtlich um sachzwangreduzierte Ehrlichkeit oder – wie man umgangssprachlich sagt, eine unfassbar dreiste Lüge, die, das mag man einräumen, dem DZVhÄ vielleicht gar nicht als Lüge erscheint. Zumindest hofft man das.

Selbstverständlich  kommen die Patienten zu Wort, sogar ständig und andauernd. Man muss nur zuhören. Nur überhört der DZVhÄ anscheinend gerne alle Aussagen von Patienten, die ihnen nicht gefallen. Und zwar alle negativen. Denn Rosinenpickerei ist vielleicht das Wort, welches die Homöopathie am besten beschreibt. Nur, und das scheint der DZVhÄ leider immer wieder zu verdrängen, es spielt für die Betrachtung der Homöopathie überhaupt keine Rolle, wie zufrieden ein Patient ist, nachdem die Krankheit verschwunden ist. Sonst wäre dieses Argument auf jede esoterische Spielart übertragbar, und ich denke (hoffe) dass auch der DZVhÄ nicht alles glaubt, auch wenn es verlockend klingt.
Die Ergebnisse aus Studien, bei denen keinerlei Unterschied zwischen Placebogruppe und Homöopathiegruppe war? Interessiert sie nicht.

Anwender, die schlechte Erfahrungen machen? Gibt es nicht und wenn die was sagen haben Sie etwas falsch gemacht (Kunststück, siehe Paragraph 260 im Organon der Heilkunst) oder der Homöopath war unfähig oder das Mittel war falsch oder oder oder. Aber um dann darzustellen, dass, wenn man die Patienten zu Wort kommen läßt, auch jede Menge zufriedener Aussagen von Anwendern kommen setzt der DZVhÄ noch einen Brüller obendrauf:

„Studien aus der Versorgungsforschung zur Homöopathie unter Praxis-Bedingungen zeigen klinisch relevante Verbesserungen von Symptomen, vergleichbar mit denen konventioneller Therapien. – Jedoch wird von weniger Nebenwirkungen berichtet“

Das ist dann der Moment, in denen der halbwegs wissenschaftlich gebildete Menschen aufhört, sich auf die Schenkel zu schlagen und anfängt, vor Lachen auf dem Boden zu rollen. Das Thema Nebenwirkungen hatten wir ja bereits ausführlich angesprochen, die kann es in der Homöopathie nicht geben, weil man sich dort semantisch über einen Trick von diesem negativen Wort befreit hat, siehe hier.

Nebenwirkungen – haben wir keine. Solltet ihr aber!

Man entledigt sich also erst eines negativen Wortes, welches nicht ins Konzept passt und wirbt dann damit, dass es dieses Wort in der Homöopathie nicht gibt, während man dafür einfach ein anderes benutzt. Aber, das Konzept jedes Illusionisten, schaffe Ablenkung, damit das Publikum den Trick nicht sieht.

Studien aus der Versorgungsforschung unter Praxisbedingungen. Was muss man sich darunter vorstellen?

Wir hatten das Thema Studien bereits, aber da es immer wieder auftaucht und die gerechtfertigte Kritik an den Studien offensichtlich nicht bis zum DZVhÄ vordringt wird es wohl auch noch öfter auftauchen.

McDonalds macht eine Umfrage bei seinen Kunden. Welche Burger schmecken ihnen besser, ihre oder die der Konkurrenz. Das Ergebnis zeigt eindeutig, dass den Kunden die McDonaldsburger besser schmecken als die der Konkurrenz.
Studie aus der Versorgungsforschung.
Relevanz? Null. Um zu erkennen, warum diese Art der Studie nichts taugt muss man kein Wissenschaftler sein. Es sind im Grunde reine Zufriedenheitsumfragen. Denn die Ergebnisse können ja nicht kontrolliert oder verifiziert werden.  Und man versteht plötzlich im Leuchten der Erkenntnis, warum der DZVhÄ so inständig auf die Beachtung von Studien aus der Versorgungsforschung pocht. An dieser Stelle ein dezenter Hinweis auf das sorgfältig ausgesuchte Titelbild, dass genau diesen Moment beschreibt.

Man sieht klinisch relevante Verbesserungen der Symptome, ähnlich wie die in der konventionellen Therapie (wir nennen das Medizin). Kunststück, die meisten Krankheiten verschwinden von alleine, dafür bedarf es keiner nutzlosen Zuckerkugeln. Trotzdem wird das Verschwinden der Symptome einfach den vorher eingenommenen Zuckerkugeln als Erfolg zugeschrieben, wobei es dafür keinerlei Veranlassung gibt. Während also die meisten Krankheiten und Wehwehchen normalerweise von alleine verschwinden wird in der Homöopathie jedes Verschwinden eines Symptoms der Homöopathie angerechnet. Warum? Weil Samuel Hahnemann das so wollte. Siehe Organon. Ein Prüfer kann sich ja schließlich nicht irren, wie schon im Organon bestimmt wurde. Doch woher wissen Homöopathen nun, dass der Erfolg auf das Homöopathikum zurückzuführen ist? Gar nicht. Sie behaupten das einfach.

Nimmt man nun allerdings eine Studie, bei der man zusätzlich verblindet eine Placebogruppe zum Test der Resultate nimmt und feststellt, dass bei den Heilungen überhaupt kein Unterschied zur Gruppe mit den Placebos besteht und die offensichtlichen klinisch relevanten Verbesserungen gar nicht von dem Homöopathikum kommen wird diese Studie abgelehnt. Klar, das Ergebnis schmeckt ihnen nicht. (Immer noch legendär: die Münchner Kopfschmerzstudie)

„Laut Ärzten und Wissenschaftlern der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) liegen eine Vielzahl von positiven randomisierten kontrollierten Studien vor, die eine Wirksamkeit der Homöopathie gegenüber Placebo zeigten“

Genau dieses Paper der WissHom mit dem aktuellen Stand der Studienlage zur Homöopathie wurde genau untersucht und umfassend darauf eingegangen. Siehe hier. Ergebnis: Die Aussagen sind so nicht haltbar. Und trotzdem kommen Sie immer wieder.

Genau darum pocht der DZVhÄ so sehr auf die Einzelerfahrungen der User, die sich einreden, es hätte etwas gebracht. Kein Test, die Behauptung muss reichen. Und wenn man im Praxisbetrieb dann diese „Studien “ durchführt (Homöopathen und Patienten stellen fest, dass die Krankheit verschwunden ist) sollten diese Studien natürlich auch berücksichtigt werden. Denn obwohl die gesamte Wissenschaft, jede methodisch korrekte Studie und unser komplettes gesichertes (da verifiziertes und erfolgreich eingesetztes) Wissen völlig logisch  und widerspruchsfrei erklären können, warum Homöopathie NICHT funktioniert und schon gar nicht so, wie es Homöopathen gerne behaupten sollte auf jeden Fall die Meinung des Kunden eingeholt werden, denn wenn man außer „Ich finds gut“ absolut gar nichts vorzuweisen hat klammert man sich natürlich an diesen Rettungsring.
Klammert weiter, vielleicht treibt euch ja die Strömung in rationaleres Gewässer. Dann bemerkt ihr vielleicht auch, dass es in Russland gar nicht um ein Verbot geht. Ach, das habt ihr auch nicht bemerkt? 😉

Das Märchen von der pösen Pharmamafia™

Es war einmal vor nicht allzu langer Zeit, da gab es im Königreich Evidenzien  eine Fee namens Homöopazia. Und diese Fee bemühte sich, den Menschen Gutes zu tun, indem sie ihnen half, durch Zucker, Wasser und Zauberei gesund zu werden. Und die Menschen liebten diese Fee, da sie nichts verstehen mussten, sondern nur akzeptieren. Doch dem pösen König namens Pharma I von Evidenzien gefiel das nicht, da er merkte, dass die Menschen ihn nicht mehr so lieb hatten wie die Fee und mehr von ihm verlangten, als er ihnen geben konnte. Nun war allerdings Zauberei schon seit vielen hundert Jahren nicht mehr erlaubt, und so schickte er seine vielen Trolle los, um die Menschen davon zu überzeugen, dass Homöopazia böse war und die Menschen nur an der Nase herum führte. Aber die Menschen waren zu schlau um die als Menschen verkleideten Trolle des Prinzen nicht sofort zu erkennen, und so trieben sie die Trolle mit lautem Geschrei aus ihren Häusern.

Ja, so könnte das Märchen von der bösen Pharmabranche beginnen. Allerdings wartet man vergeblich auf das „und sie lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.“ Auch wenn es sich erschreckend anhört, viele Menschen halten dieses  Märchen tatsächlich für die Realität. Klingt komisch, ist aber so.  Weiterlesen „Das Märchen von der pösen Pharmamafia™“

Die Sache mit den Studien oder Nachhilfestunde für den DZVhÄ 

O.k., ich weiß, Studien sind nicht jedermanns Ding. Und auch wenn sie einen großen Teil der Phantomdiskussion um die Homöopathie ausmachen ziehen es doch viele Homöopathen vor, die negativen Ergebnisse zu ignorieren, zu revidieren oder lieber gleich ganz nur auf die eigenen Erfahrungen zu setzen. Wen interessieren denn auch die anderen? Weiterlesen „Die Sache mit den Studien oder Nachhilfestunde für den DZVhÄ „